Veranstaltungen - Italien

Was gibt es Neues im Klimahaus 2026 - und warum es sich lohnt, dabei zu sein

Nachhaltigkeit ist zu einem Wort geworden, das so überstrapaziert wird, dass es seine Bedeutung zu verlieren droht. Doch was passiert, wenn Europas größte Fachmesse für verantwortungsvolles Bauen beschließt, eine drängende Frage auf den Tisch zu legen: Ist Nachhaltigkeit ein Recht oder wird sie langsam zu einem Privileg?

Die Klimahouse 2026, die bereits zum 21. Mal stattfindet, verwandelt das Bozner Messegelände vom 28. bis 31. Januar in ein Labor der Ideen und Lösungen. Mehr als 400 Aussteller und rund 36.000 Besucher werden erwartet, um die modernsten Technologien für Energieeffizienz, Wärmedämmung, Photovoltaik und Gebäudeautomation zu entdecken.

Südtirol ist nicht zufällig der Gastgeber für diese Veranstaltung. Die autonome Region in Norditalien ist ein europäischer Vorreiter bei der Zertifizierung der Energieeffizienz von Gebäuden. Das CasaClima-System (KlimaHaus) wurde hier 2002 ins Leben gerufen und hat bisher mehr als 18.000 Neubauten und Renovierungsprojekte zertifiziert. CasaClima hat sich zu einem Referenzstandard für ganz Italien entwickelt und beeinflusst die Baupraxis in ganz Europa.

Montage, nicht Konstruktion

Die Pressekonferenz zur Eröffnung der Ausgabe 2026 fand im AMDL Circle Studio in Mailand statt, wo der Architekt Davide Angeli die Richtung, in die sich der Bausektor bewegt, perfekt zusammenfasste: “assemblare, non costruire” - zusammenbauen, nicht bauen. In einem europäischen Kontext, in dem der bebaute Raum in vielen städtischen Gebieten einen Sättigungsgrad erreicht, könnte die verantwortungsvollste Geste darin bestehen, keine neuen Volumen hinzuzufügen, sondern das Bestehende zu überdenken.

Thomas Mur, Direktor von Fiera Bolzano, betont, dass die Veränderungen in diesem Sektor eine strategische Chance bieten, ein Architekturmodell neu zu definieren, das in der Lage ist, die Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip des modernen Lebens zu integrieren.

Future Hub: 20 Start-ups, die die Spielregeln ändern wollen

Der Klimahouse Future Hub, der in Zusammenarbeit mit PoliHub - dem Startup-Accelerator der Polytechnischen Universität Mailand - realisiert wurde, wird 20 aufstrebende Unternehmen beherbergen, die in zwei Kategorien unterteilt sind: Early stage für Prototypen und Late stage für bereits auf dem Markt befindliche Lösungen.

Die fünf behandelten Bereiche sagen viel darüber aus, wohin sich die Branche bewegt: innovative Baumaterialien (einschließlich modularer Systeme und photokatalytischer Materialien für den Schadstoffabbau), erneuerbare Energien und Energiespeicherung, zirkuläre Lösungen, die Bauabfälle in Designressourcen verwandeln, digitale Lösungen auf der Grundlage von künstlicher Intelligenz und Blockchain sowie IoT-Technologien für die Gebäudesanierung.

Der Wettbewerb findet seinen Höhepunkt am 30. Januar mit dem Klimahouse Startup Contest, bei dem die sechs besten Projekte um Preise konkurrieren, darunter ein Experten-Mentoring und die Teilnahme an einem Stand im Klimahouse 2027.

Holzarchitekturpreis: fast 100 Projekte und ein neuer Rekord

Für die vierte Ausgabe des Holzarchitekturpreises, Italiens einzigem nationalen Preis, der ausschließlich der Architektur aus Holz gewidmet ist, wurden fast 100 Projekte eingereicht - ein Rekord, der das wachsende Interesse an Holz als Baumaterial zeigt.

“Viva il legno - il legno vive!”, sagte Manuel Benedikter, Präsident der Jury, und betonte, dass aus den 100 eingereichten Projekten 12 Finalisten ausgewählt wurden, die von temporären Architekturen über Einfamilienhäuser bis hin zu großen öffentlichen Gebäuden reichen.

Zu den Finalisten gehören die Erweiterung der Accademia Carrara in Bergamo, die von Antonio Ravalli Architetti mit INOUTarchitettura entworfen wurde, und das Punto Luce Gallaratese in Mailand. Die Gewinner werden am 29. Januar bei der Preisverleihung auf der Klimahouse-Bühne bekannt gegeben.

In den ersten drei Ausgaben des Preises wurden 9 Siegerprojekte und 10 lobende Erwähnungen prämiert, wodurch Arbeiten, die in anderen Wettbewerben ausgezeichnet wurden, ins Rampenlicht gerückt wurden.

Klimahaus-Kongress: Nachhaltigkeit als Recht, nicht als Luxus

Am 30. und 31. Januar findet im MEC - Meeting & Event Center Alto Adige der Klimahouse Congress 2026 statt, mit einem herausfordernden Thema: Ist Nachhaltigkeit noch eine bezahlbare Priorität für alle?

Acht Experten von internationalem Rang werden sich dieser Frage aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. Zu den geladenen Gästen gehören Diana Schaffrannek von David Chipperfield Architects Berlin, die Architektin Milena Karanesheva-Witzmann von KARAWITZ Architecture Paris und der Schwede Oskar Norelius von White Arkitekter, die konkrete Erfahrungen zu Finanzierungsmodellen und Gerechtigkeit beim Zugang zu nachhaltigem Bauen einbringen werden.

Der erste Tag des Kongresses wird von der Architektin und Professorin Chiara Tonelli moderiert, an dem auch Stefan Brunnhuber und Thomas Auer von der Technischen Universität München teilnehmen.

Klimahouse Tours: fünf Rundgänge durch das Herz der nachhaltigen Architektur

Einer der Höhepunkte des Klimahauses sind die in Zusammenarbeit mit der Südtiroler Architekturstiftung organisierten Führungen. Die Ausgabe 2026 bietet fünf thematische Rundgänge, die die Besucher direkt in die von CasaClima zertifizierten Projekte führen und so eine eindringliche und lehrreiche Erfahrung bieten, die das Ausstellungsangebot im Pavillon ergänzt.

Inwertsetzung historischer Bauernhöfe in Südtirol (Mittwoch, 28. Januar, 13:30-18:00 Uhr) eröffnet die Reihe mit zwei Interventionen, die zeigen, wie gebautes Erbe erneuert werden kann, ohne seine Identität zu verlieren. In Laion besichtigen die Teilnehmer die Oberbuchfelder, einen denkmalgeschützten Bauernhof aus dem 16. Jahrhundert, der von Raum Drei Architekten in einem subtilen Dialog zwischen traditioneller Handwerkskunst und zeitgenössischer Architektursprache restauriert wurde. In Nalles zeigt der Agriturismo Grieserhof (Studio plan_ar, Arch. Christa Mair), wie Licht zum Schlüsselelement beim Umbau des Dachgeschosses eines historischen Bauernhauses in einen Wohnraum werden kann.

Grieserhof, Nalles / Studio plan_ar / Foto: Karin Micheli

Bauen Sie mit Ihrem eigenen Holz (Donnerstag, 29. Januar, 8:00-13:30 Uhr) befasst sich mit dem knappen Angebot an heimischem Holz. Das Bauernhaus Rappersbühl am Renon von Bergmeisterwolf verwendet für die Struktur, die Fassaden und die Innenräume ausschließlich lokale Materialien. In Gröden zeigt ein Mehrfamilienhaus von Mahlknecht-Comploi Architetti in Gröden, dass es möglich ist, vollständig aus einheimischem Holz, ohne Klebstoffe und mit einem hohen Grad an Energieautarkie zu bauen.

Nachhaltigkeit und Kunst in Produktionsräumen (Freitag, 30. Januar, 8:00-13:30 Uhr) definiert die Industriearchitektur neu. Die neuen Büroräume von Würth Italia in Egna (Troyer-Vonmetz Architetti) integrieren Logistik, urbane Räume und Energieleistung in ein organisches Design. In Brixen verwandelt Barth [b]art[h] Halle 3 (AKT.studio) eine ehemalige Industriehalle in einen Ort der Begegnung, der Handwerk, Architektur und Kunst miteinander verbindet und eine private Galerie einschließt.

Gemütliche und komfortable Bildungsräume (Freitag, 30. Januar, 13:45-18:00 Uhr) stellt zwei beispielhafte Schulgebäude vor. Die Grundschule und der Kindergarten in Riffiano (Höller & Klotzner Architetti) ist das erste Gebäude in der Provinz Bozen, das als “KlimaHaus Schule” zertifiziert wurde, mit Hochleistungsdämmung, kontrollierter Belüftung, Regenwassernutzung und Photovoltaik. Der Kindergarten in Lagundo (Feld72), Gewinner des Holzarchitekturpreises 2025, ist ein leimfreier Massivholzanbau, bei dem die Gemeinschaft und die pädagogische Dimension im Mittelpunkt stehen.

Nützliche und benutzerfreundliche Räume in gut isolierten Hüllen (Samstag, 31. Januar, 8:30-14:00 Uhr) schließt die Reihe mit zwei städtischen Infrastrukturprojekten ab. Die Mehrzweckhalle Foiana (Kollektiv null17) vereint ein Recyclingzentrum, eine Feuerwache und Veranstaltungsräume in einer kompakten Konstruktion mit leistungsfähiger Hülle und geothermischem System. Die neue Feuerwache der Freiwilligen Feuerwehr von Vezzano besteht aus drei Volumen, die sich zum Turm hin verjüngen, wobei dunkle Ziegelsteine verwendet wurden, die an die lokale Bautradition erinnern.

Die Teilnahme an den Besichtigungen dient der beruflichen Weiterbildung von Architekten, die im Bozner Architektenorden eingetragen sind. Die Kosten für eine Führung betragen 50 €.

Südtirol@Klimahouse: eine neue Plattform für lokale UnternehmerInnen

Neu für die Ausgabe 2026 ist Südtirol@Klimahouse, eine Plattform, die der unternehmerischen Kultur der Südtiroler Führungskräfte gewidmet ist und im H1 Eventspace, dem Innenhof des Messegeländes, untergebracht ist. Die Ausstellung “Alpen. Architektur. Südtirol”, kuratiert von Kunst Meran.


Klimahaus 2026 findet vom 28. bis 31. Januar auf der Messe Bozen statt. Programm: 9:00-18:00 Uhr. Informationen und Eintrittskarten: klimahouse.co.uk

Anamaria

Anamaria verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung im Bereich Marketing und Kommunikation für Unternehmen in der Möbelindustrie und im Einzelhandel. Vor ihrer Tätigkeit bei Ces Brands koordinierte sie die Marketingaktivitäten bei ICLA Romania.

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